by Thomas Krause

Die ambulante Pflege in Deutschland steht vor einer bedeutenden Veränderung. Ab dem Jahr 2026 treten neue, umfassende Qualitätskriterien in Kraft, die das Ziel haben, die Versorgung pflegebedürftiger Menschen zu Hause noch stärker in den Fokus zu rücken und deren Qualität nachhaltig zu sichern. Diese Neuerung, initiiert durch den Medizinischen Dienst (MD), verspricht eine Abkehr von rein bürokratischen Prüfungen hin zu einer patientenzentrierten Begutachtung der Pflegequalität (Deutsches Ärzteblatt, 2025).

Was bedeuten die neuen Qualitätsprüfungen?

Bisher lag der Schwerpunkt bei Qualitätsprüfungen oft auf der Dokumentation und administrativen Prozessen. Zwar ist eine sorgfältige Dokumentation unerlässlich, doch die eigentliche Qualität der Pflege, die direkt beim Patienten ankommt, geriet dabei manchmal in den Hintergrund. Die neuen Richtlinien des MD ändern dies grundlegend. Künftig wird der Fokus auf die tatsächliche Versorgungsqualität gelegt. Das bedeutet, dass Prüfer verstärkt die Situation vor Ort, im häuslichen Umfeld der Pflegebedürftigen, in den Blick nehmen werden. Zufällig ausgewählte Personen, die von Pflegediensten versorgt werden, werden besucht und ihre Situation direkt eingeschätzt. Dies ermöglicht eine realitätsnahe Beurteilung der Pflegeleistungen und stellt sicher, dass die Bedürfnisse der Patienten im Mittelpunkt stehen (Deutsches Ärzteblatt, 2025).
Ein weiteres wichtiges Element der neuen Prüfungen ist die Einführung eines Bewertungssystems von A bis D. Dieses System soll Auffälligkeiten und Defizite in der Pflege klarer und transparenter aufzeigen. Von „A – Keine Auffälligkeiten oder Defizite“ bis „D – Defizit mit eingetretenen negativen Folgen“ wird eine differenzierte Einschätzung möglich sein. Dies bietet Pflegediensten eine klare Standortbestimmung und Anreize zur kontinuierlichen Verbesserung. Für pflegende Angehörige und Patienten schafft es zudem mehr Transparenz und eine bessere Orientierung bei der Auswahl eines Pflegedienstes.

Erkennen und Handeln: Ein erweiterter Blick auf die häusliche Situation

Ein besonders relevanter Aspekt der neuen Qualitätskriterien ist die erweiterte Prüfung, ob Pflegedienste Anzeichen von Überforderung bei pflegenden Angehörigen, Gewalt, Vernachlässigung oder Unterversorgung der Pflegebedürftigen erkennen und adäquat darauf reagieren. Dies ist ein entscheidender Schritt, um vulnerable Personen besser zu schützen und die oft unsichtbaren Herausforderungen in der häuslichen Pflege sichtbar zu machen. Es erfordert von den Pflegediensten nicht nur fachliche Kompetenz in der direkten Pflege, sondern auch eine geschärfte Sensibilität für das soziale Umfeld und mögliche Risikofaktoren. Die Förderung des Fachgesprächs zwischen Prüfern und Pflegedienstmitarbeitern soll hierbei eine wichtige Rolle spielen, um gemeinsam Lösungen zu erarbeiten und die Qualität der Versorgung zu optimieren.

Die Bedeutung für die Zukunft der ambulanten Pflege

Die Einführung dieser neuen Qualitätskriterien ist ein klares Bekenntnis zur Stärkung der ambulanten Pflege. Angesichts der demografischen Entwicklung und der Tatsache, dass ein Großteil der Pflegebedürftigen zu Hause versorgt wird, ist es unerlässlich, die Qualität dieser Versorgung kontinuierlich zu verbessern. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, das Vertrauen in die ambulante Pflege zu stärken und sicherzustellen, dass pflegebedürftige Menschen die bestmögliche Unterstützung in ihrem vertrauten Umfeld erhalten. Es ist eine Investition in die Zukunft unserer Gesellschaft und ein wichtiger Schritt hin zu einer menschlicheren und effektiveren Pflege.

Referenzen

Deutsches Ärzteblatt. (2025, 28. August). Neue Qualitätskriterien bei Prüfung von ambulanter Pflege.
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